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Österreich qualifiziert - sich wieder nicht PDF Print E-mail
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Written by Niki   
Sep 10, 2009 at 07:30 AM

Endlich ist es wieder Gewissheit: Wir fahren zu keiner Fußballgroßveranstaltung und (ganz erhlich) vor dem Fernseher ist es ohnedies viel gemütlicher. Falls es jemanden interessiert: Das letzte Ausscheidungsspiel (also mindestens Achtelfinale) bei einem Großereignis gewann Österreich in der Schweiz gegen die Schweiz 1954 mit 7:5...

Alle zwei Jahre spielt Österreich entweder um die Qualifikation zur Welt- oder Europameisterschaft. Beim letzten Bewerb war Österreich als Veranstalterland von vornherein qualifiziert.

Alle zwei Jahre bangen die Fußballanhänger um die mögliche Qualifikation. Am Ende stehen sie (fast) immer mit leeren Händen da. Die Chronologie und Selbsteinschätzung ist nahezu immer dieselbe. Seit der Qualifikation zur WM 1990 hatte ich das Glück, ständig bei diesem Schauspiel dabei sein zu dürfen.

1. Die Auslosung:
„Hoffentlich kein allzu starker Gegner aus dem ersten Topf“
„Naja, Jugoslawien und Dänemark, das könnten wir schon schaffen“ oder
„Naja, Schweden und Bulgarien, das könnten wir schon schaffen“ oder
„Naja, Portugal, das könnten wir schon schaffen“ oder
„Naja, Spanien und Israel (beide zweimal), das könnten wir schon schaffen“ oder
„Naja, Holland und Tschechien, das könnten wir schon schaffen“ oder
„Naja, England und Polen, das könnten wir schon schaffen“ oder eben jüngst
„Naja, Frankreich, Serbien, Rumänien, das könnten wir schon schaffen.“

Geworden ist es nie etwas. Einmal hat sich Österreich sensationeller Weise qualifiziert um dann allerdings beim Turnier kläglich zu scheitern. Das war 1998 bei der WM in Frankreich, als man in 10 Spielen nur auswärts in Glasgow gegen die Schotten verlor und 8mal gewann (auch 2 Spiele gegen Schweden).

2. Die Spiele:
Medien und Stammtische spekulieren vor jeder Partie mit großem Eifer über Aufstellung, Taktik und natürlich das zu erwartende Ergebnis.
„Wir sollten mutig nach vorne spielen!“
„Wir brauchen gute Konter und eine stabile Abwehr!“
„Die anderen kochen auch nur mit Wasser!“
„Heute ist ein Sieg fällig!“ (mein Favorit aus analytischer Hinsicht)
„Gut stehen, kosequent decken und eine Chance reinhauen!“

In der Tat war Österreich in den letzten 19 Jahren bei geschätzen 167 Spielen (so viele waren es tatsächlich seit der WM 1990) stets mit dem Gegner und dem Spiel an sich überfordert.
167 Spiele lang konnte Österreich in gefühlten 10 eine gewisse Art von Dominanz ausüben. Den Gegner klar beherrscht haben sie vielleicht bei 5 oder nur 3 Spielen.

3. Die Spieler:
„Alte müssen spielen!“
„Nur junge Leute sollten in der Nationalmannschaft spielen!“
„Nein, der Mix aus Jung und Alt ist das Entscheidende!“
„Bitte in Zukunft nur mehr Legionäre!“

Endlos waren die Ideen für Zusammenstellungen einer Nationalmannschaft. Für das Spiel gebracht hat kaum eine Variante etwas. Einzig vielleicht in der Zeit, als Prohaska begann, Kühbauer, Herzog und Stöger gemeinsam spielen zu lassen, gab es eine Phase in der Österreich einen Stil entwickelte. Vielleicht gelingt das in näherer Zukunft mit Jantscher, Beichler und Hölzl. Man muss skeptisch bleiben.

Was aber das wichtigste ist:
Niemals (in 167 Spielen) orientierte sich Österreich nur annähernd am europäischen Standard. Zuerst wurde die Abwehr jahrelang von einem Libero organisiert, sogar als bereits Albanien mit Viererkette spielte. Danach wurden (bis heute) die Bälle unkontrolliert nach vorne gedroschen, obwohl jedes Team einen mehr oder weniger kultivierten Spielaufbau entwickelt hat.

Es ist in Österreich nicht möglich, dass eine Mannschaft den Ball gewinnt, ihn anschließend kontrolliert und beruhigt und dann gezielt und mit „Auge“ das Spiel nach vorne eröffnet.

Bis gestern schrieben die Zeitungen von einer theoretischen Chance zur Qualifikation. Ja, die haben Länder wie Andorra und San Marino auch zu Beginn des Bewerbes. Niemals kommt es jemandem in den Sinn, dass die gesamte Spielanlage komplett umstrukturiert gehört. Genau dieser Umbau hätte in der gerade vergebenen Quali eingeleitet werden sollen. In einem Jahr, wenn die nächste Qualifikation beginnt, werden wieder alle schreien:
„Naja, X und Y und Z, das könnten wir schon schaffen.“

Österreich lernt nicht gerne aus gemachten Fehlern und blickt noch unliebsamer in die Zukunft. Deswegen werden wir weiterhin keine Rolle spielen. Rumänien hat uns gestern in jeder Phase des Spieles beherrscht. Gesehen hat das in Österreich wohl keiner.

Zu guter Letzt: Spanien wird uns noch im November beehren und ein Leerspiel aufziehen. Schon jetzt sollten
DVD´s und Videokassetten gekauft werden, damit der ÖFB über den Winter Analysen entwickeln kann. Vielleicht werden sich jedoch die Verantwortlichen nur ums Geldzählen kümmern, denn 50.000 Zuschauer garantiere ich schon jetzt


User Comments

Comment by GUEST on 2009-09-10 16:13:59
jantscher, beichler und hölzl sind - leider - zu wenig, um die zukunft besser zu machen. solange dahinter ein schiemer jeden ball verlieren darf, kann das beste mittelfeld der welt nix retten...

Comment by GUEST on 2009-09-10 18:37:44
den nagel auf den kopf getroffen!

Comment by GUEST on 2009-09-10 20:03:28
Superb!


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